Sackgasse an der Mauer

Mauerfoto: Sackgasse an der Mauer aus Marienfelde

Zum Bild:

Die Marienfelder Allee bildet bis zum Mauerbau eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Süden Berlins und dem Umland. Mit der Grenzziehung endet diese Funktion. Der Mauerstreifen zerschneidet die Verkehrsverbindung. Die Marienfelder Alle endet als Sackgasse an der Mauer. Ein Warnschild weist auf das Ende des amerikanischen Sektors hin. Ein Wachturm innerhalb der Grenzanlagen dient der Beobachtung des Mauerstreifens.

Fotografiert am:

8.12.1985

Ort:

Marienfelder Allee, Marienfelde

Geschichten zum Bild

Dieser Beobachtungsturm gehörte zum Grenzregiment 42, Grenzabschnitt 3, Postenpunkt 44 ?. Von dort hatten wir die Aufgabe Grenzverletzer festzustellen, aber auch sollten wir die Abhöranlagen der US-Streitkräfte beobachten. Wir sollten Meldung machen, sobald die weißen Kugeln auf dem Teufelsberg sich öffnen. Soweit ich mich erinnern kann, wurde der Bereich durch 2 PSG's überwacht. PSG - Postengerät ? Dies waren zwei kleine Plastikkästchen, die man auf dem Turm auf Kontakte steckte. Jedes davon hatte 2 Leuchtdioden. Sobald ein Kontakt am Grenzzaun hergestellt war, fing das Gerät an einen Ton von sich zu geben. Dadurch wußte man, in welchem Grenzbereich die Auslösung war. Eine Leuchtdiode stand für einen Grenzbereich zwischen 2 bestimmten Laternen, die durch einen gelben Strich gekennzeichnet waren. Soweit ich mich erinern kann gehörten zu diesem Postenpunkt 2 Felder links und 2 Felder rechts.
Ich finde es wirklich bedauerlich, daß Herr Anonym sich nicht zu erkennen geben kann. Wie tief muß der Frust und die Mitschuld sitzen?! - Ich verbleibe DESHALB auch vorerst anonym und gebe mich erst zu erkennen, wenn Du, "anonym", dies vor mir tust! Vielleicht hilft Dir meine Geschichte von der Westseite, also von genau dieser Mauerseite aus, "auf die Sprünge". Hier meine Geschichte: Die Marienfelder Allee war für mich in den 80er Jahre ein Teil des Endes meiner Welt. Meine Schule war die Gustav-Heinemann-Gesamtschule und mein Terrain ganz Süd-Marienfelde. Und es kam oft vor, daß ich diese Maueransicht, genau dieses Bild, direkt vor Augen bekam, denn ich war oft mit dem Fahrrad unterwegs. Und ich fand es jedes Mal echt zum Kotzen, daß ich hier nicht weiterfahren konnte, nicht weiterkam, man uns den Weg versperrte. Hier wendete nur noch der Bus und die Anreiner der hier stehenden Häuser grillten oder kamen per Auto nach Hause zurück. Also, hier war die Welt zu Ende und die meisten hatten hier ihre kleine Welt, am Ende der Welt, eingerichtet und schienen es in ihrem kleinbürgerlichen Wahnwitz (Schrebergärten, etc.) auszukosten. Der Turm auf der anderen Seite, ich erinnere mich noch genau, den konnte ich nur sehen, wenn ich in einem entsprechenden Abstand von der Mauer stand. War ich an der Mauer dran, war nichts zu sehen außer recht einfallslose (Lag's an der Gegend?) Krakeleien. Ich erinnere mich, daß mich diese Vopos da oben genervt haben, denn sie nahmen uns mit ihren Ferngläsern unter die Lupe, was mir feige vorkam. Mal brüllte ich alleine, mal mit einem Freund zusammen 'Komm' doch rüber!' oder 'Reißt diese Scheiss-Mauer endlich ein!'- In dieser Zeit war ich zwischen 12 und 18 Jahre alt. Und es kam immer wieder mal vor. - Wer an diesem Mauerstück stand, empfand die in die Wand führende Straße, empfand hier das Ende eines Paradises, das Ende der Intelligenz, das Gegenteil von Seelenfrieden und allem anderen Herz und Rationalem. Hier wurde ein Teil meiner Jugend begraben, am Ende dieser Straße. Denn hier änderte sich immer meine Perspektive: ich konnte nicht mehr in alle Himmelsrichtungen gehen, konnte nicht mehr wählen. Ich schwor mir, daß wenn dieses Ding einmal weg ist, ich mich dafür einsetzen würde, daß jederman in Zukunft in die Himmelsrichtung gehen sollte, die er dann SELBER wählen könne. Niemand sollte ihn dann aufhalten. Heute heißt die Barriere Geld: Reiche reisen mehr als Arme. Damit ist eine neue Mauer definiert, aber auch eine neue Aufgabe, der wir uns stellen müssen, ob alter Vopo oder Stepke von der ehemaligen anderen Seite. Das ist ein Teil meiner Geschichte und ich setze sie fort, sofern Interesse besteht. Mich interessiert, was GEFÜHLT wurde, und nur bedingt wieviel Gaslämpchen brannten. Daß der "Teufelsberg" von Mr."anonym" vielleicht die Anlage der Amis am Marienfelder Freizeitpark war - die ich auch noch vor Augen habe, als würde sie noch dortstehen - könnte das sein? - Denn bis zum Teufelsberg ist es wohl doch ein wenig arg weg, oder? Vielleicht hieß der ja auch im Arbeitsjargon von "anonym@anonym.de" so, "Teufelsberg", weil da der Ami, der Teufel für den Osten, saß!??!? Wie dem auch sei: ich hoffe auf dieser Seite geht's weiter. Grüße vorerst westseite
Dieses Bild kenne ich sehr gut.Ich bin in Marienfelde (US-Amerikanische Besatzungszone)aufgewachsen und ich bin oft mit dem Fahrrad dort gewesen.Rechts stand ein hölzerner Beobachtungsturm und am Bildrand rechts erkennt man die mit Kopsteinpflaster versehene Wendeschleife der Buslinien 11 E (Einsatzwagen) und später 52 mit dem Ziel "Marienfelde-Stadtrandsiedlung", die sich links befindet.Der Weg durch die Stadtrandsiedlung war gleichzeitig der Grenzweg der Amerikaner und der Berliner Polizei, die dort in Richtung Lichtenrade an der Grenze entlangfuhren.Ich habe vom Grenzturm aus oft die Grenztruppen der DDR beobachtet und man konnte die Zäune der Hundelaufanlage Richtung Lichterfelde gut erkennen.Ich habe mir immer gewünscht, auf dieser Straße mal mit dem Fahrrad nach Großbeeren oder Osdorf fahren zu können. Als dann die Mauer fiel, war ich einer der Ersten, die die Grenze per Fahrrad in Richtung Großbeeren passiert haben. Ich habe vor Freude geweint und die Grenzer ließen mich passieren, denn es war noch kein "offizieller" Übergang. Ein Jugendtraum war endlich in Erfüllung gegangen! Heute führe ich Seminare zum Thema "Antifaschistischer Schutzwall" durch und erzähle staunenden Jugendlichen aus Hamburg von dieser Zeit...
Ach was solls! Lasst doch bitte die armen DDR Grenzer in Ruhe! Sie haben nur ihre Pflicht getan, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die gezeigte Stelle kenne ich gut aus meiner Kinderzeit, denn ca. 300m entfernt wohnten meine Großeltern in der Stadtrandsiedlung. Auch an den 13.08.1961 kann ich mich sehr gut erinnern, es war Sonntag, ein mäßig warmer Sommertag in den Ferien. Ich war 8 Jahre alt. Die hintere Grundstücksgrenze des Gartens meiner Großeltern war gleichzeitig die Stadtgrenze von Berlin (West), durch einen kleinen Durchgang in einer dichten Fliederhecke konnte man quasi die Stadt verlassen und betrat die weite Feldmark der Rieselfelder. Hier endete die gefühlte Enge der Großstadt, hier war es frei, offen und weit bis zum Horizont, für ein Stadtkind wie ich begann hier das Landleben. Am Vormittag spielte ich mit meinem 4 jährigen Bruder im Garten, als ich plötzlich mehrere Menschen, Stimmen und Bewegung unmittelbar hinter unserer Fliederhecke bemerkte. Angelockt mußten wir Kinder natürlich nachschauen, was dort genau passierte. Mehrere Männer in Arbeitskleidung waren damit beschäftigt, Löcher zu graben und Betonpfähle einzusetzen, andere Männer mit Uniformen und vermutlich echten Waffen standen herum und schauten den anderen bei der Arbeit nur zu. Das wunderte uns und wir glaubten, dass die Arbeiter wohl Gefangene sein müßten, die etwas verbrochen hatten. Die Arbeiter hatten stachligen Draht auf Rollen dabei, der dann an den eingegrabenen Pfählen befestigt wurde. Uns wurde klar, dass hier irgendetwas seltsames passierte. Irgendwie verschreckt rannten wir durch den Garten ins Haus und holten die Eltern und Großeltern. Gleich standen wir alle an unserer Fliederhecke und schauten sprachlos den ebenso sprachlosen Arbeitern in nur 2 m Entfernung zu. Eine seltsame Stille lag über allem. Der Stacheldrahtzaun wuchs auf über 2 m Höhe denke ich, und uns Kindern kam mehr und mehr der Gedanke, dass wir wohl jetzt eingesperrt werden. Unser Weg durch die Fliederhecke ins freie Feld war geschlossen, für dann noch über 38 Jahre...... C.Sommer, Augsburg im Februar 2008
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