Grenzstraße

Mauerfoto: Grenzstraße aus Neukölln

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Im Innenstadtbereich von Berlin führt die Mauer entlang der Straßen. Hier bildet die Heidelberger Straße den Grenzverlauf. Der Mauerstreifen wird als Anwohnerparkplatz genutzt.

Fotografiert am:

7.9.1986

Ort:

Heidelberger Straße / Sinsheimer Weg, Neukölln

Geschichten zum Bild

Der Streifen Niemandsland direkt vor der Mauer, auf dem hier die Autos parken, ist meinem besten Schulfreund 1984 fast zum Verhängnis geworden. Er war damals mit einem Mädchen zusammen. Dagi, so ihr Spitzname, ging nach der 10. Klasse für ein Jahr als Austauschschülerin nach Amerika. Um ihr einen lieben Gruß aus Berlin nach Amerika zu schicken, hatte er sich überlegt ein großes Herz mit der Inschrift „Dagi“ an die Mauer zu sprayen. Das fertige Werk wollte er fotografieren und das Foto nach Amerika schicken. Ein mehrere Meter breiter Streifen vor der Mauer gehörte bereits zur DDR und das Betreten war demzufolge offiziell verboten. Im Alltag nahm man diesen Streifen aber eigentlich nicht mehr wahr. Er wurde von den West-Berlinern praktisch eingemeindet, wie die parkenden Autos auf dem Foto verdeutlichen. So machte sich mein Freund eines Nachts auf den Weg an die Mauer. Das Herz und die Inschrift hatte er schon fertig, als ihn plötzlich die West-Berliner Polizei auf einer Kontrollfahrt „ertappte“. Nach seinen Schilderungen war er nun schon in einer etwas eigentümlich Lage. Die Polizei konnte ihn nicht von dem Niemandslandstreifen wegholen, da sie dort offiziell keinen Zutritt hatte. Andererseits musste er irgendwann den Streifen wieder verlassen und West-Berliner Gebiet betreten. Die Polizisten mussten nur lange genug warten. Jedenfalls wurde er zur „Feststellung der Personalien“ mitgenommen und hatte ein Verfahren wegen Sachbeschädigung am Hals. Wie es ausgegangen ist, weiß ich nicht mehr. Ich hoffe, es ist wegen Lächerlichkeit eingestellt worden. Das unfertige Herz war noch lange an der Mauer zu sehen, bevor es dann allmählich von anderen Graffitis überdeckt wurde.
Ich kann die Geschichte nicht so ganz glauben.... Der Westberliner Polizei war es nämlich so ziemlich egal, wer was an die Mauer pinselte..., denn sie stand ja auf Ostberliner Gebiet und damit außerhalb des Hoheitsgebiet der West-Polizei. Bei uns in der Gegend sind ganze Schulklassen im Rahmen des Unterrichts mit Farbe und Pinsel bewaffnet zur Mauer gepilgert, um das Ding ein bisschen schöner zu machen. ;-)
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